"Wipp hurra, Concordia." So
klang es ab 1910, wenn die zwischen 14 und 17 Jahre alten Jungs beisammen
saßen. Die kleine Schar Fußballbegeisterter hatte gerade den FC Concordia
1910 gegründet. Am 20.8.2000 feierte der Verein seinen 90. Geburtstag.
Wie es zu den Vereinsfarben kam, ruft die Chronik in Erinnerung: Die
Besatzung eines Ruderboots aus Ludwigshafen, das an einem Sonntagmorgen in
Gernsheim ankam, war einheitlich in Blauschwarz gekleidet. Das gefiel den
zufällig anwesenden Concordianern so gut, dass sie diese Streifen
übernahmen. Das Kicken vollzog sich auf dem Platz am Kaffeedamm bis zur
Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg. 1919 keimten die ersten
Wiederbelebungsversuche. Auf der "Insel" spielten die Aktiven
auf Tore ohne Farbe und Netz. Hochwasser machte dem Treiben bald ein Ende.
Aus dem Gelände am Kaffeedamm waren Gärten und die Tuchbleiche geworden, und
so zogen die Concordianer zum "Himschling". Das Gelände, etwa zwei Kilometer
von der Stadt entfernt, war auf Dauer nicht von Vorteil. Nach langen
Bemühungen schuf man den Sportplatz "Auf den Jägeräckern". Der "Vater der
Concordia", Seppel Schmitt, hatte einen Acker zur Verfügung gestellt: es ist
das Gelände zwischen Römer- und Kiesstraße, ungefähr begrenzt durch die
heutige Mühl-/Siedlungsstraße. Bis zum Jahr 1929 vermerkt die Chronik keine
besonderen Höhen und Tiefen. Dann wurden die Blau-Schwarzen Meister der
A-Klasse und stiegen zur Kreisliga auf, der damals zweithöchsten Spielklasse
Deutschlands. Aus den folgenden Jahren verdient nur eine Begebenheit
Beachtung: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wollten die Kicker wieder
mit dem Fußballspiel beginnen. "Nur sollte durch die politische Führung und
die Amerikaner das Vereinsleben unter dem Namen SKG gleichgeschaltet
werden."
Die Concordianer wehrten sich mit allen Mitteln und erreichten nach einer
kurzen Übergangsphase mit der Bezeichnung "VfL", dass ihr Name wieder in
altem Glanz erstrahlte. Gleich im ersten Fußballjahr 1947 wurden die
Gernsheimer gegen Biebesheim Meister ihrer Klasse. Ein Aufstieg war damit
nicht verbunden. Der nächste Coup gelang 1950/51: Beide aktiven Mannschaften
wurden Meister und stiegen in die zweite Amateurliga auf. Wechselnde
Erfolge, mit Spielen zum größten Teil in der A-Klasse, kennzeichnen die
nächsten Jahre. Auch die Jugendarbeit im Verein trug Früchte: Die A-Jugend
wurde 1954/55 Gruppensieger. Der Wiederaufstieg in die II. Amateurliga kam
1957/58. Und wiederum zu schwach, die Klasse zu halten, "mussten wir nach
einem ungeheuerlichen Urteil nach Vorkommnissen in einem Heimspiel gegen
Urberach – sechs Wochen Spielverbot – in die A-Klasse absteigen."
Die nächsten Jahre spielte die Concordia in der Spitzengruppe der A-Klasse.
1962/63 gelang wieder beiden Mannschaften die Meisterschaft. 1970 folgte die
"absolute Krönung der bisherigen Vereinsgeschichte": der erneute Aufstieg in
die Bezirksklasse Darmstadt. 1973/74 war der Abstieg aus der Gruppenliga
nicht zu vermeiden. Immer tiefer sank dann das Schiff "Concordia" in die
fußballerische Bedeutungslosigkeit: Der Abstieg in die C-Klasse Groß-Gerau
1977 ist die unterste Stufe der Fußballgeschichte Gernsheims. Inzwischen
kickt die Elf in der A-Klasse. Wenngleich der Fußball dominierte, wurden und
werden im SVC auch andere Sportarten betrieben: Von 1910 bis 1955 betätigten
sich die Fuß- und Handballer auch als Leichtathleten. Nach Bildung einer
eigenständigen Sparte heimsten die Concordianer hessische, Bezirks- und
Kreistitel ein.
Das Fehlen einer Sportanlage machte sich bemerkbar, so dass einem Niedergang
erst mit dem Bau des Rheinstadions 1962 ein kurzer Aufschwung folgte. Doch
nachdem Abteilungsleiter Walter Schäfer die Aufgabe nicht mehr wahrnehmen
konnte, dauerte es bis zum endgültigen Aus Mitte der sechziger Jahre nicht
mehr lange. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Herrenhandballer
die Spieltätigkeit wieder auf. Binnen kurzer Zeit gelang einer
"Wundermannschaft" der Weg von der Kreis- über die Bezirks- und Hessenliga
in die Oberliga. Doch dem Aufstieg folgte ein sang- und klangloser Fall bis
zur untersten Spielklasse. Der späteren Erholung folgten Zerwürfnisse und
der Abschied vieler Mitglieder in Richtung Turn- und Sportverein. Derzeit
treten die Herren in der Bezirksliga D 1 an. Faustball spielten die
Concordianer schon lange; doch erst 1960 gründeten sie eine eigene
Abteilung, die regelmäßig Fischerfest-Turniere ausrichtete. Zeitweise
unterhielt man vier Mannschaften. Nachwuchsmangel führte vor drei Jahren zur
Einstellung des Spielbetriebes. Seit 1975 gibt es wieder Damen-Handball im
SVC. Gleich in der ersten Saison errang das Team die Kreismeisterschaft. Den
größten Erfolg hatten die Frauen mit dem Aufstieg in die Oberliga
Hessen-Süd. Inzwischen spielen sie in der Landesliga Süd. Seit 1979 besteht
zudem eine Volleyball-Abteilung, die derzeit in der Bezirksliga Süd antritt.
Heimatzeitung, 18.8.2000 (bg)